ABC Widgets
 

Private Equity – Freund oder Feind des Mittelstands?

Sie sind als Heuschrecken gebrandmarkt und haben in der öffentlichen Wahrnehmung seit Jahren nicht den besten Ruf: Private-Equity-Gesellschaften. Ihnen wird ein kurzfristiger Investmentfokus gepaart mit einer Gier nach höchstmöglicher Rendite vorgeworfen. Als im Zuge der Finanzkrise einige mit Private Equity finanzierte Unternehmen aufgrund hoher Verschuldungsgrade schneller in die finanzielle Schieflage geraten sind, wurde dieses Bild noch verstärkt. . Als Beispiele hierfür seien die in der Presse diskutierten Insolvenzen der Automobilzulieferer Edscha und Stankiewicz sowie die des Modelleisenbahnbauers Märklin genannt.

Sind PrivateEquity-Gesellschaften so schlecht wie ihr Ruf?
Private-Equity-Gesellschaften müssen natürlich hohe Renditen für ihr eingesetztes Investorenkapital erzielen; das führt jedoch nicht zwangsläufig zu einem Konflikt mit den Zielen des finanzierten Unternehmens. Der Einstieg von Private-Equity-Gesellschaften kann für die Unternehmen langfristig durchaus positive Auswirkung haben. Dies belegt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Universität Bonn, München und Aberdeen. Dabei wurde die Situation bei mit Private Equity finanzierten, deutschen Unternehmen vor und nach Einstieg der Finanzinvestoren verglichen und festgestellt, dass sowohl der Unternehmenswert als auch die Mitarbeiterzahl gestiegen sind [1].

Zum gleichen Ergebnis kommt auch eine erste Analyse einer vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zur Verfügung gestellten Transaktionsdatenbank, welche die deutschen Transaktionen der großen, internationalen Private-Equity-Gesellschaften seit 1997 erfasst. Seit dem Einstieg dieser Gesellschaften konnten die in der Datenbank erfassten deutschen Unternehmen ein durchschnittliches Umsatzwachstum von knapp 16 % verzeichnen, während die Mitarbeiterzahl durchschnittlich um 4 % anstieg. Die Gründe für diese positiven Ergebnisse liegen in der aktiven Beteiligung der Private- Equity-Gesellschaften an der Unternehmensführung der finanzierten Unternehmen und dem Einsatz ihrer erfahrenen Manager im operativen Geschäft. Sie verfügen oft über industrielles und operatives Know-how, Restrukturierungserfahrung und Kompetenz im Bereich der Effizienz- und Produktivitätssteigerung. Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise kann dieses Wissen das eine oder andere Unternehmen retten.

Sind Privat-Equity-Gesellschaften also nun Freund oder Feind?
So einfach lässt sich die Frage nicht beantworten: Denn natürlich gab es in der Vergangenheit der Private-Equity-Branche auch einige „schwarze Schafe“, die den Unternehmen unangemessen viel Liquidität entzogen und damit die Entwicklung des Unternehmens aktiv gefährdeten. Diese müssen nun aufpassen, dass sie nicht auf der Strecke bleiben, denn der Private-Equity-Branche steht eine Marktbereinigung bevor. Das kurzfristige Erreichen von hohen Renditen durch schnelle Käufe und Verkäufe mit hohenm Fremdkapitalanteil wird aufgrund des aus der Finanzkrise resultierenden Kreditengpasses in naher Zukunft nicht mehr möglich sein. Dagegen werden sich die Private-Equity-Gesellschaften durchsetzen, die ihre Stärken in der Restrukturierung, in der Verbesserung von Abläufen und in der Aufdeckung von Kostensenkungspotentialen haben. Langfristige Orientierung gepaart mit einer angemessenen Verschuldung wird zukünftig der Schlüssel zum Erfolg sein.

Somit könnte die Finanzkrise die langfristige Orientierung von Private-Equity- Gesellschaften fördern und damit die ohnehin schon erkennbaren vorteilhaften Auswirkungen auf die mit Private Equity finanzierten Unternehmen verstärken. Positiv anzumerken ist weiterhin, dass in der Vergangenheit Private-Equity-Gesellschaften oft die einzige Möglichkeit für mittelständische Unternehmer waren, eine geregelte Unternehmensnachfolge vorzunehmen.

Den richtigen Transaktionspartner finde
Mittelständische Unternehmen sollten frühzeitig mit der Suche nach geeigneten Investoren und der Kontaktaufnahme beginnen. Bis der richtige Partner gefunden ist, vergehen in der Regel mindestens sechs Monate – in einzelnen Fällen kann es auch zwei bis drei Jahre dauern. Um die richtigen Käufergruppen zu identifizieren, ist es wichtig, die Ausgangssituation zu analysieren, in der sich das Unternehmen vor dem Verkauf befindet. Darüber hinaus müssen die wesentlichen Anforderungen zum Erhalt der Zukunftsfähigkeit mit in die Betrachtung einbezogen werden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen können nun gezielt die richtigen Transaktionspartner identifiziert und angesprochen werden

Ob dies dann Finanzinvestoren, strategische Investoren oder Management-Buy-In-/Mangament-Buy-Out-Kandidaten sind:
Jede Käuferkategorie hat ihre Vor- und Nachteile.

Autor:
Kerstin Ott, Seneca Corporate Finance GmbH

[1] http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1086598

nach oben Back to top

Footer